Damit es im Ernstfall klappt: Einsatzkräfte üben spannende Szenarien auf Kieswerkgelände

Bei der kreisübergreifenden Katastrophenschutzübung des Regierungsbezirks Freiburg in Mühlingen proben rund 450 Beteiligte verschiedene Ernstfälle. Wir waren dabei.

Foto: Feuerwehr Schiltach

Es gibt Notfälle mit Dimensionen, die für Einsatzkräfte aus einzelnen Stadt- oder Landkreisen nicht zu bewältigen sind. Bei Katastrophen größeren Ausmaßes ist Unterstützung aus mehreren Regionen nötig. Um auf solche Schadensereignisse vorbereitet zu sein, probten etwa 450 Einsatzkräfte aus allen zehn Stadt- und Landkreisen des Regierungsbezirks Freiburg am Samstag auf dem ehemaligen Kieswerkgelände bei Schwackenreute (Landkreis Konstanz). In zwei Staffeln absolvierten die Beteiligten an dem aus diesem Anlass außergewöhnlich belebten Ort dieselben Stationen einmal vor- und einmal nachmittags, denn teils hatten die Einsatzkräfte lange Anfahrten. 

Regierungspräsident Carsten Gabbert stellte fest: „Im Bereich Katastrophenschutz sind wir hervorragend aufgestellt“, mahnte aber: „Wir können Schadenslagen haben, wo wir das brauchen“.

Bezirksbrandmeister Christoph Glaisner vom Regierungspräsidium Freiburg leitete die Gäste, darunter den Konstanzer Landrat Zeno Danner und Mühlingens Bürgermeister Thorsten Scigliano, über das weitläufige Areal. Der Tuttlinger Kreisbrandmeister Andreas Narr betonte: „Wir denken bei der ganzen Übung wie bei einer Großschadenslage.“ 

Die Satellitenübung umfasste vier Schauplätze: Bei der Brandbekämpfung galt es, zehn Verletzte aus einem in Vollbrand stehenden Gebäude zu retten. Zur Unterstützung der Feuerwehr Mühlingen wurden weitere Kräfte nachalarmiert. Das Löschwasser wurde aus einem 300 Meter entfernten See gepumpt. „Der Knackpunkt ist, dass die Feuerwehr stark in die Behandlung eingebunden ist“, erklärte Dominik Rotzinger, Kreisbrandmeister im Landkreis Waldshut. 

Eine große Herausforderung stellte die Personensuche für drei Hunde mehrerer Rettungshundestaffeln dar, denn die Menschen versteckten sich auf der riesigen Fläche – in einem Silo, einer Röhre und einem einstürzenden Gebäude. „Wir sind sehr zufrieden, denn unsere Hunde können innerhalb einer Stunde ein Gebiet von 60.000 Quadratmetern absuchen“, berichtete Christine Bastian von der Rettungshundestaffel Rottweil-Hegau. An der Suche war auch die Feuerwehr beteiligt – ganz im Sinne der organisationsübergreifenden Übung. 

Die zehn CBRN-Erkundungswagen zur Messung chemischer, biologischer, radiologischer und nuklearer Gefahren hatten drei Lagen zu meistern: Aus einem Fahrzeug unklare austretende radioaktive Stoffe messen, in Flaschen festgestellte unbekannte Substanzen untersuchen, die für tote Tiere in der Umgebung gesorgt hatten, und die Proben zu analysieren. Dies erfolgte realitätsnah in Strahlenschutzanzügen und -masken. Roberto Peuker, Strahlenschutzbeauftragter der Feuerwehr Freiburg zeigte, wie die Einsatzkräfte sich dekontaminieren. 

Im weißen Bereich von Rotem Kreuz und Malteser-Hilfsdienst hatte das Team um Katastrophenschutz-Leiter Christian Eggs aus Offenburg mehrere Zelte für unterschiedlich stark Verletzte aufgebaut – mit Beatmungsgeräten, Betten, Infusionsbeuteln und reichlich Medikamenten und Verbandsmaterial. Dort erfolgten die Sichtung der Patienten, Einteilung nach Schwere der Verletzungen, Erfassung der Namen und Ort der Verlegung. „Das ist eine Ausnahmesituation, eine Regelversorgung ist da nicht möglich“, sagte Eggs.

Beim abschließenden Lagevortrag wurde deutlich, dass bei der peniblen Vorbereitung niemand das Wetter einkalkuliert hatte: Regen, Wind und Temperaturen von neun Grad Celsius erforderten spontane Änderungen im Ablauf: Der Zeitplan verschob sich, weshalb die Übungen beim Rundgang der Gäste bereits beendet waren. Die im Szenario Verletzten wärmten sich da schon auf, anstatt in den Behandlungszelten auszuharren, die Beteiligten räumten auf und stärkten sich beim Mittagessen.


Rund 450 Teilnehmer

An der Katastrophenschutzübung waren zahlreiche Einsatzkräfte beteiligt: CBRN-Erkundungswagen aus den Kreisen Konstanz, Emmendingen, Breisgau-Hochschwarzwald, Lörrach, Offenburg, Waldshut, Rottweil, Tuttlingen, Schwarzwald-Baar-Kreis und Stadtkreis Freiburg. Kreis Konstanz: Leitender Notarzt, organisatorischer Leiter Rettungsdienst, Feuerwehr Mühlingen, Führungsstufe C, Drohneneinheit, THW-Ortsverein Stockach, DRK-Gruppe Notfalldarstellung, Verletztendarsteller und Einsatzleitung. Kreis Waldshut: Führungsstufe C und Zug Brandbekämpfung. Kreise Offenburg und Emmendingen: Einsatzeinheiten. Regierungsbezirk Freiburg, Kreise Rottweil und Emmendingen sowie Schwarzwald-Baar-Kreis: Führungsstufe C. Kreise Rottweil und Lörrach: Rettungshundestaffeln. Schwarzwald-Baar-Kreis und Kreis Rottweil: Züge Technische Hilfe. Kreis Rottweil: Zug Wasserförderung. Kreise Waldshut und Schwarzwald-Baar-Kreis: Züge Brandbekämpfung. Kreis Tuttlingen: THW-Ortsvereine Tuttlingen und Trossingen sowie Regieeinheit Lotsen. 

Regierungspräsident Carsten Gabbert (Mitte) und Landrat Zeno Danner (zweiter von links) im Gespräch mit Einsatzkräften. Foto: Landratsamt Konstanz

Foto: Feuerwehr Schiltach