Watergate - Ein mobiler Staudamm

Die Feuerwehr Schiltach hat jüngst eine neue Gerätschaft - ein "Watergate“ - gekauft. Nun war der Vertreter der Lieferfirma vor Ort und konnte die Wehrkräfte in die Anwendung einweisen.

Watergate, was ist das überhaupt? Ein Watergate hat nichts mit der „Watergate-Affäre“ in den 70er-Jahren in Amerika zu tun, sondern ist ein mobiles System, mit dem Wasser in Bachläufen angestaut werden kann oder bei Starkregen-Ereignissen die Wassermassen kanalisiert werden können. Sinngemäß übersetzt ein „Wasserzaun“.

Dieses Watergate gibt es in verschiedenen Stauhöhen. Von wenigen Zentimetern bis annähernd an 2 Meter werden vom Hersteller angeboten. Die Schiltacher Version hat eine Stauhöhe bis zu 50 cm. Es kann in kleinen Gewässern, wie dem Heubach, Erdlinsbach, Eulersbach oder Kuhbach, oder in den Flüssen Kinzig und Schiltach eingesetzt werden, um den Wasserlauf aufzustauen. Damit kann im Brandfall ein künstliches Wehr errichtet werden, aus dem dann Löschwasser gesaugt werden kann. Bisher musste in solchen Fällen immer mit Steinen aus dem Bach oder sonstigen Hilfsmitteln ein Damm errichtet werden, damit sich genug Wasser vor dem 11 Zentimeter dicken Saugschlauch sammelt. Dies ist zeitraubend und bei einem Brand kostbare Zeit, die verloren geht. Und mit diesem mobilen Damm kann nun jedes Fließgewässer in sehr kurzer Zeit angestaut werden. Einzige Voraussetzung ist nur, dass mindestens 200 Liter/Minute Wasser zuläuft. Weniger Wasser macht für die Feuerwehr keinen Sinn, da bei einer Brandbekämpfung in der Regel mehr Wasser benötigt wird. Und wenn die Wassermassen schon 20 cm hoch den Bach runter kommen, wird auch kein Staudamm mehr benötigt. Also ist ein Watergate ein ideales Einsatzmittel bei der Brandbekämpfung in den Schwarzwaldtälern.

Eine weitere Möglichkeit, dieses Watergate einzusetzen, ist die Anwendung als Schutzwall. Bei einem Starkregen-Ereignis, wie zum Beispiel vor ein paar Jahren in Schenkenzell beim Stockhof, kann dieser Damm schnell eingesetzt werden, um die Wassermengen von gefährdeten Gebäuden wegzuleiten. Hier geht es nicht darum, das Wasser aufzustauen, sondern um ein schnelles Kanalisieren und Ableiten von den Wassermassen. Auch hier überzeugt das System, da es sich schnell aufbauen lässt im Gegensatz zu Sandsäcken. Diese Watergate-Elemente sind 9 Meter lang und können zumindest einen Straßenzug ganz gut schützen. Und mit knapp über 20 kg Masse lässt es sich auch noch gut von Hand transportieren.

Auch kann es bei Unglücksfällen eingesetzt werden, wenn größere Mengen an Gefahrstoffen auslaufen. Mit Hilfe des Watergate kann so eine Auffangmöglichkeit geschaffen werden, bis Spezialgeräte zum Abpumpen und Aufnehmen vorhanden sind.

Bei der Vorführung und Unterweisung durch den Handelsvertreter, ein ehemaliger Feuerwehrmann, konnten sich die Schiltacher Feuerwehrmänner direkt vom Fachmann von dem System selbst überzeugen. Auf Einsatzmöglichkeiten wurde hingewiesen, genauso worauf beim Auf- und Abbau geachtet werden muss. Tipps zur Pflege wurden mitgegeben. Nach drei interessanten Stunden waren sich alle einig: Das Watergate ist eine sinnvolle Ergänzung zu den Einsatzmitteln der Wehr.

Bildquelle: FF Schiltach