„Amen“ aus der Röhre

Blaulichtgottesdienst in Kirche und Gerätehaus

 

 Der heilige Florian steht für Solidarität. Am 4. Mai 304 wurde Florian von Lorch, ein ehemaliger Soldat ermordet, weil er sich für Christen eingesetzt hatte, die von der damaligen Obrigkeit verfolgt und schikaniert wurden. Florian, der erst verbrannt werden sollte und schließlich mit einem Mühlstein um den Hals im Fluss ertrank, wurde zum Schutzpatron der Feuerwehrleute. Er war ‚solide‘ in seinem Glauben geblieben. ‚Solide‘ war auch der Titel des Blaulichtgottesdienstes, zu dem Dortmunder Notfallseelsorgende und Rettungskräfte am ‚Florianstag‘, dem 4. Mai eingeladen hatten.

Solide zu bleiben, aufrecht und zugleich solidarisch, das zeigt sich für Rettungskräfte auch in der Gegenwart als große Herausforderung. Und, so Hendrik Münz, Pfarrer in der Notfallseelsorge, das falle im zweiten Jahr der Pandemie keinesfalls immer leicht. Er habe sich persönlich noch nie so herausgefordert gefühlt bei der Vorbereitung eines Blaulichtgottesdienstes wie dieses Mal, bekannte der Pfarrer, der seine Predigt online, im Wechsel mit Gemeindereferent Michael Thiedig vom katholischen Dekanat Dortmund, nicht in Kirche und Talar sondern in Feuerwehruniform und Gerätehaus hielt.

Diese Zeit sei nichts für schwache Nerven, sagte Hendrik Münz, genau wie der Parcours auf der Atemschutz-Übungsstrecke, wo er – aus einer Trainingsröhre heraus – die virtuellen Besucher*innen des Gottesdienstes begrüßte. Nicht allein die individuellen Aufgaben bei der Rettung von Menschen stellten die Kräfte von Feuerwehr und Rettungsdiensten vor Herausforderungen. Besonders belastend seien zunehmende Rücksichtslosigkeit und Respektlosigkeit vieler Menschen im Umfeld der Einsätze.

 So berichteten Vertreter*innen unterschiedlicher Dienste etwa von Gaffern bei schweren Unfällen, die professionelle Helfer*innen verbal und sogar brachial angriffen oder ihnen den Zugang erschwerten, um selbst das Geschehen besser verfolgen zu können. Um nicht in der eigenen Bequemlichkeit zurückstecken zu müssen, behinderten immer öfter Menschen die Rettung schwerkranker Patient*innen. Andere erschwerten bewusst Löscharbeiten und schützten vor Ort mit Gewalt Straftäter vor dem Eingreifen von Helfenden und Polizei.

Auch die Situation im Prozess der Impfungen gegen Covid 19 beschrieben Münz und Thiedig als aktuelles Problem. Oft werde getrickst und mit Hilfe persönlicher Beziehungen versucht, vor anderen einen Impftermin zu ergattern. Auch das eine Frage mangelnder Solidarität. Vor Gott gebe es keine Pole-Position, so Michael Thiedig. Wie bei einem Deeskalationstraining müsse es das Ziel sein, die Kette von Leistungserwartung, Neid und Konflikten zu überwinden.

Berichten konnten Helfer*innen aber auch von Dankbarkeit und Respekt, beispielsweise der unaufgeforderten Mithilfe tanzender Jugendlicher bei einem Noteinsatz während der Love-Parade oder der spontanen Versorgung von Feuerwehrleuten mit Wurstbrötchen, die ein örtlicher Metzger nach einer anstrengenden Einsatznacht spendierte.

Bei aller Klage wolle man lieber an die Solidarität erinnern, so der Tenor des Online-Gottesdienstes. Musikalisch umrahmt wurde der aus der Martener Immanuel-Kirche von der Sängerin Svea Witthaut und Hartmut Neumann an Klavier und Orgel.

Text und Bild: Ev. Kirche Dortmund