„Löschen, um zu Retten“

Ein Slogan, der bei einer Tunnelbrandbekämpfung zum Tragen kommt.

Vor rund 30 Jahren wurden zur Ortsumfahrung um das kleine Fachwerkstädtchen Schiltach zwei Bundesstraßentunnel (1,8 km und 800 m) gebaut. In regelmäßigen Abständen werden diese Straßentunnel gewartet und gereinigt. Dazu wird vom Straßenbauamt eine Vollsperrung vollzogen. Dies nutzt die Feuerwehr Schiltach, die für den Brandschutz verantwortlich gemacht wurde, um Einsätze in diesem ungewöhnlichen Umfeld zu üben und zu trainieren.

Brände in solchen Bauwerken verhalten sich gegenüber gewöhnlichen Bränden von Fahrzeugen und Wohnungen in zwei Punkten anders: Zum Einen ist der Zugang nur von zwei Seiten möglich. Und dieser Zugang kann sehr, sehr lang sein. Und zum Anderen geht die Rauch- und Brandausdehnung auch nur in diese zwei Seiten. Das heisst, dass die Brandhitze und -rauch nicht nach oben abziehen können. Hitze zerstört die Betonröhre, was zu Abplatzungen führen kann. Eine Gefahr für die Einsatzkräfte. Und der Rauch ist auf langen Strecken eine Gefahrenquelle. Auch wenn der Rauch nach einer gewissen Zeit in eine der zwei Tunnelrichtungen wegzieht, stehen die Feuerwehrmänner auf der anderen Seite mit hoher Wahrscheinlichkeit im Rauch. Dass stellt die Einsatzkräfte vor ganz andere Anforderungen an die Rettung und das Löschen. Deshalb muss eine spezielle Taktik in derartigen Bauwerken gewählt werden.

Der mögliche Brand muss deshalb erst gelöscht werden, bevor mit einer Rettung begonnen werden kann. Damit stehen sie selbst nicht im Rauch, weitere Rettungskräfte kommen näher an die Einsatzstelle und die Gefahr, von Betonteilen erschlagen zu werden, sinkt. „Löschen, um zu Retten.“ Und erst danach kann mit der eigentlichen Rettung von Verletzten begonnen werden.

Das ist auch die Arbeitsweise, die an der IFA - International Fire Academy - in Balsthal, Schweiz, (www.ifa-swiss.ch) vermittelt wird. Hier waren von der Feuerwehr Schiltach bereits fünf Feuerwehrmänner bei Multiplikatorenlehrgängen, um sich in Sachen Brandbekämpfung in unterirdischen Verkehrsanlagen, wie es im Fachjargon heißt, ausbilden zu lassen.

Bei der letzten Vollsperrung des Kirch- und des Schlossbergtunnels wurde genau diese Arbeitsweise besonders trainiert. Die gesamte Mannschaft eines Löschfahrzeugs, also 6 Mann, rüsten sich beim Tunnelportal vor dem Einfahren in den Tunnel komplett mit Atemschutz aus. Also auch der Fahrer und der Gruppenführer. Dann wird die Einsatzstelle angefahren. Als allererstes wird sofort eine Wasserversorgung zu einem der vielen Hydranten im Tunnel aufgebaut. Sobald „Wasser am Rohr“ ist, kann mit dem Löschen begonnen werden. Doch zum Eigenschutz wird zunächst nur die Tunneldecke abgekühlt. Und erst danach beginnt die eigentliche Brandbekämpfung, während gleichzeitig noch die Decke gekühlt wird. Diese Übungs- und Trainingseinheit wurde von den Multiplikatoren zunächst theoretisch wiederholt, dann das praktische Geschehen beobachtet und anschließend kommentiert - damit im Realfall jeder Handgriff sitzt.

Bildmaterial: Feuerwehr